Nothilfe, die nicht hilft.

Aktualisiert: Sept 8

Heute möchte ich mich über die Corona Nothilfen und Unterstützungen für Künstler beschweren. Naja, eigentlich würde ich mich lieber erleichtern, denn die Situation ist schon schwer genug...


Ich kam am 3. März nach Köln. Davor tourte ich durch die Schweiz, nach Frankreich und Spanien. Nach 11 Konzerten im Januar und Februar und der unabsichtlichen Zerstörung meiner beiden Dachfenster am Wohnmobil, sowie einer wieder entzündeten alten Wurzelbehandlung, wollte ich mich in Köln für drei Wochen ausruhen und für die kommende Festivalsaison vorbereiten. Beworben habe ich mich zwischen Dezember und Februar bei etlichen Festivals in ganz Europa. Bewerbungsschluss war bei vielen der März. Antworten habe ich bis heute nicht erhalten. Corona kam dazwischen.


16. März: Lockdown, wenn ich mich richtig erinnere. Es dauerte nicht lange, bis die Corona Soforthilfe für Künstlerinnen und Künstler bereit gestellt wurde. 9000 Euro, die jedoch nur für laufende Betriebskosten eingesetzt werden durften. Als Musiker habe ich keine Lagerkosten, kein Firmenauto, auch keine MitarbeiterInnen und ganz einfach: keine laufenden Betriebskosten.


Ich lebe seit Juli 2019 als Nomade, seit November 2019 in einem Wohnmobil. Ich bin international freiwillig krankenversichert und brauche zum Leben natürlich Nahrungsmittel, muss mal etwas am Auto reparieren oder brauche gelegentlich eine neue Hose, wenn mir die Knie meiner Jeans aufgerissen sind. Das wurde alles durch die finanzielle Hilfe nicht berücksichtigt oder abgedeckt. Später wurde das geändert. Man durfte dann ca. 1200 € im Monat für die Lebenserhaltung einsetzen. (Für die Monate März bis Juni) Inzwischen wurden die Bedingungen noch mehrfach abgeändert.


Ich fragte dennoch, ob ich die Hilfe erhalte: Nein, da ich keinen festen Wohnsitz habe und keine Ausfälle vorweisen kann. Dass ich als Straßenmusiker auf leeren Plätzen keinen Umsatz machen konnte und dass der Lockdown verhängt wurde, bevor ich Zusagen oder Absagen für die beworbenen Festivals erhielt, änderte daran nichts.

Dann kam das Nothilfeprogram der GVL in der Höhe von 200 €. Auch hier das Problem: ich kann nicht beweisen, dass ich Ausfälle habe. Straßenmusiker zählen nicht. Inzwischen wollte ich mich übrigens bei der Stadt Köln ohne festen Wohnsitz melden, da es ersichtlich wurde, dass ich hier wohl noch länger bleibe. Geht nicht, da meine letzte Meldeadresse in der Schweiz war. Im Internet, auf der Seite des Meldeamts habe ich jedoch gelesen, dass das ginge. "Das Gesetz wurde vor kurzem geändert" antwortete mir die nicht sonderlich auskunftsfreudige Dame des Meldeamts.

Am 15. Juni startete ich notbedingt einen Job als pädagogische Ergänzungskraft in einer OGS (Nachmittagsbetreuung). Trotz meiner Ausbildung zum Musik- und Bewegungspädagogen (Masterstudium) erhielt ich für die einzige offene Stelle im Ausmaß von 16 Stunden ca. 700 € im Monat. Eineinhalb Monate später erkrankte ich an einer akuten Gastritis Typ C (=stressbedingt) und musste daher den Job wieder beenden. Davon abgesehen, diese Tätigkeit war weit davon entfernt mich existenziell oder seelisch zu befriedigen.

Ich versuchte seit dem wieder mit kleinen Konzerten auf der Straße, in Parks und bei Geburtstagspartys Spenden und Gagen einzunehmen. Das funktionierte manchmal ein bisschen und manchmal gar nicht. KLuG - Köln leben & gestalten, um ein Beispiel zu nennen, ist mir die Gage für ein Konzert im Park am 11. 8. noch immer schuldig. Zahlungsfrist war am 31. August. Dabei sollte das Projekt Künstler und Künstlerinnen fördern. (Ich nehme das Beispiel raus, sobald die Gage bezahlt wurde)


3. September: ich werde auf ein neues Stipendium in der Höhe von 7000€ für KünstlerInnen aufmerksam gemacht. Bedingung: gemeldeter Wohnsitz in NRW vor dem 13. März sowie Mitgliedschaft bei der KSV oder einem Berufsverband (bei Zweiterem bin ich aus finanziellen Gründen letztes Jahr ausgestiegen - haha). Ich rufe an und erkläre meine Situation. Ich wohne seit dem 3. März in Köln, kann das mit meinen Bewegungsdaten von Google Maps beweisen, kann mir durch die momentane Situation keine Wohnung leisten und die Meldung in Köln "ohne festen Wohnsitz" wurde mir verwehrt. Antwort: da können wir leider nichts für sie tun.

Nun habe ich ALG2 (Hartz4) beantragt und bin gespannt, was dabei raus kommt. Ob der unfeste Wohnsitz wieder einen Ablehnungsgrund darstellt?


Ich fasse zusammen: die Nothilfen sind nicht für alle Menschen in Not. Nur für die, die noch eine Wohnung haben und nur für die, die Stornierungen von Konzerten erhalten haben oder sich weiterhin Beiträge bei Berufsverbänden leisten konnten. Wenn du vor Corona keinen Wohnsitz hattest oder dich zu einem ungünstigen Zeitpunkt bei Veranstaltungen beworben hast, dann hilft dir die Nothilfe nicht!


(Hier ein andere Betroffene und ihre absurde Geschichte: https://web.facebook.com/klimamusik/posts/10157466778884157/)


Bevor mir nun jemand rät: geh doch irgendwas arbeiten, du hast ja auch eine Ausbildung als Frisör, oder beim Aldi verdient man ja auch ganz gut: Ich lebe nicht, um Geld zu verdienen. Ich lebe, um meiner Berufung zu folgen und ich weiß, was diese ist. Meine Seele weiß das auch und mein Körper auch. Der gibt mir immer ziemlich schnell in Form von Krankheit unmissverständlich Rückmeldung, wenn ich meiner Berufung nicht folge. Das heißt, wenn ich in einem Friseursalon arbeite und der Stress des Jobs an sich (jede halbe Stunde ein Kunde, oft keine Mittagspause, 1200 € für 40 Stunden) mich nicht krank macht, dann macht es der Stress, der dabei entsteht, wenn ich meiner Berufung nicht folge und nicht auf mein Herz höre.


Ich habe nicht umsonst im Alter von 5 Jahren meine musikalische Ausbildung begonnen - denn da wusste ich schon, dass ich Musiker werden möchte. Und ich habe nicht umsonst 22 Jahre Didgeridoo geübt, Unterricht in Zink, Schlagzeug, Akkordeon, Trompete, Kontrabass, Geige, Klavier und Gesang genommen, zwei Ausbildungen abgeschlossen, Alte Musik studiert und abgebrochen - all das, um mein Musikprojekt iʘne zu ermöglichen. Ich habe nicht umsonst Jahre lang unterschiedlichste Jobs angenommen, die mich körperlich und seelisch krank machten und hauptsächlich meine Vorgesetzten finanziell bereicherten, um mit dem bisschen Geld, das mir über blieb, all meine Instrumente kaufen zu können.

Ich will meiner Berufung folgen!


Apropos Nothilfe: an die Künstlerinnen und Künstler, die 9000 € erhalten haben! Vorsicht! Eventuell kommen da noch Probleme auf euch zu. Auch das 7000 € Stipendium (https://www.mkw.nrw/FAQ_Sofortprogramm) muss zuzüglich Zinsen zurück gezahlt werden, wenn ihr euren Wohnsitz vor dem 31.12.2020 aus NRW verlegen wollt oder irgendeinen Fehler im Antrag hattet. Nicht zu vergessen, dass diese Nothilfen usw. nachher versteuert werden müssen! Das Wort "Hilfe" ist da falsch gewählt. Hilfe erfolgt für mein Verständnis ohne Bedingung und ohne Gegenleistung. Man müsste von "Deals" sprechen.

Lies dazu hier nach: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/pandemie-abgerechnet-wird-zum-schluss-empfaengern-der-corona-soforthilfen-drohen-rueckzahlungen/26025212.html


Nachdem der Staat unfähig oder unwillig zu sein scheint, KünstlerInnen ohne Wohnsitz und in Not zu helfen, (aja, vom Finanzamt wurde mir geraten, ich kann mich ja mal kurz bei einer Freundin oder so melden - dass es 50.000 € Strafe bei Scheinmeldungen gibt, habe ich vorher noch selber herausgefunden) wende ich mich nun an euch:


1. Um aufzuzeigen wie marod dieses System ist.

2. Um euch zu bitten Eure Enttäuschungen und fehlgeschlagenen Hilfeleistungen ebenfalls öffentlich in den Kommentaren meines Beitrages, sowie über eure Facebook-Seite, eure Homepage oder wo auch immer zu teilen, damit für diesen Bereich Sensibilität geschaffen wird.

3. Um euch um die Hilfe zu bitten, die der Staat mir nicht geben will oder kann. Das kann zum einen finanzielle Hilfe sein (Spende per PayPal mail@dominikrichter.com) 4. Und zum anderen kannst du mich bei meiner Mission unterstützen, indem du diesen Beitrag teilst, weitere Betroffene markierst, meiner Facebook und Instagram Seite folgst und sie teilst um meine Reichweite zu erhöhen (@ione.organictrance), meinen YouTube Kanal abonnierst (Dominik J. Richter) und meine Homepage teilst. www.dominikrichter.com

All das erleichtert mir in Zukunft Konzerte zu spielen, da sich viele VeranstalterInnen von diesen Zahlen in ihrer Entscheidung beeinflussen lassen.

5. Vielleicht kennst du ein Förderprogramm oder eine Hilfe, die nicht Menschen ohne festen Wohnsitz ausschließt.

6. Oder vielleicht kennst du VeranstalterInnen, die meine Live-Performance buchen möchten.


All das hilft mir. Wenn ich etwas für dich tun kann, schreib mich an. Wenn du bewusstseinsverändernde Atemtechniken lernen möchtest um näher mit dir in Kontakt zu kommen oder eine Alternative zu suchterzeugenden Substanzen suchst, schreib mich an. Ich zeige es dir gerne kostenlos, wenn ich in der Nähe bin oder ich schicke dir eine YouTube Playlist mit vielen Anleitungen.


Um zu sehen wo ich bin und spiele kannst du meinem Telegram Kanal folgen. https://t.me/ioneorganictrance


Danke hier schon mal an Arts and Culture Germany e.V. und an die vielen Freundinnen und Freunde die mir bisher immer wieder mit kleinen Beträgen geholfen haben und mich bei sich kostenlos wohnen ließen und meine Wäsche wuschen. Danke an meinen Stiefvater und meine Mutter, die mich von März bis Juni finanziell über Wasser gehalten haben, obwohl ich seit meinem 15. Lebensjahr finanziell auf eigenen Beinen stand. Danke an Jens in Köln, auf dessen Grundstück ich momentan kostenlos stehen darf und kostenlos mit Strom versorgt werde. Danke an Parisa Kazemi, die mir heute kostenlos ein Logo für iʘne fertig gestellt hat.


Lasst uns die Welt verändern! Alles Liebe, Dominik




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