Die Reise

Aktualisiert: 26. Juli 2019

„Reduziere deine Dinge, mach dich frei und breche auf.” Das höre ich schon lange in meinem Inneren. Ich sehne mich nach Freiheit und Natur. Ich vermisse meine Intuition und die Sinnhaftigkeit, die ich spürte, als ich vor 7 Jahren für ein halbes Jahr strikt meinem Herzen folgte und in starkem Kontakt zu meinem intuitiven Bewusstsein stand. Ich wusste am Ende dieser Phase, dass ich nochmal zurück muss in die intuitionslose Alltagswelt. Mittlerweile ist der Druck, den ich spüre, weil ich weiss, dass ich in den letzten Jahren nicht auf mein Herz gehört habe, so stark geworden, dass es sich anfühlt, als käme ich dem radikalen Umbruch nicht aus.

Vor 7 Jahren, als Mary bei mir gewohnt hatte, während sie auf Reisen war, da habe ich schon gespürt, dass es auch in mir danach drängt aufzubrechen. Ich wäre gerne mitgegangen, als sie weiter zog, aber ich wollte damals nicht alles hinter mir lassen. Ich hatte weder den Mut noch die Dringlichkeit. Heute schaut das anders aus. Ich will das Leben erleben, ich möchte die Natur spüren, ich sehne mich danach Wind zu spüren, Tiere zu hören und die Nacht am Boden zu verbringen. Tatsächlich Erde unter mir zu haben, getrennt lediglich durch eine Isomatte und einen Schlafsack - nicht von meterweise Beton, Stahl, Lattenrosten, Luft, Menschen, Kühlschränken und was sonst noch so in den Wohnungen herum steht.

Als ich vor fünf Jahren für drei Monate in Indien war, war ich zunächst für zwei Monate fest an einem Ort. Ich sollte für eine Theateraufführung Musik machen. Letzten Endes verstand ich mich aber nicht mit dem Direktor und entschied mich, diese Institution vorzeitig zu verlassen. Ich ließ mich von meiner Intuition führen und erlebte Unglaubliches. Ich traf immer genau die richtigen Menschen. Von einer lehrreichen Situation kam ich in die nächste. Ich hatte das Gefühl auf dem Regenbogen der Sinnhaftigkeit zu reisen. Ich lernte Leute kennen, mit denen ich eine herrliche Zeit teilte. Ich verbrachte Zeit am Strand unter den Sternen, musizierend bei einem Lagerfeuer. Die Leute tanzten und feierten, ich spielte und spielte. Da bin ich ich. Das sind die Momente, an denen ich Erfüllung spüre. Da habe ich den Eindruck etwas geben zu können, was aus mir kommt und was andere brauchen. Das fühlte sich sinnvoll an. Und mir kam die Idee, dass ich so etwas auch in Europa erleben möchte. Nun, viele Jahre später, scheint es an der Zeit dafür zu sein. Ich habe beinahe alles, was ich für die Reise benötige. Ich habe sogar zu viel, um zu reisen. Seit ich vor ca. 2 Monaten begonnen habe zu reduzieren, ist mir bewusst geworden, wie viel ich besitze und wie schwierig es ist, mit so einer großen Anzahl an Dingen örtlich frei zu sein. Bei meinem Zuzug in die Schweiz benötigte ich noch einen Sprinter. Beim letzten Umzug ging es schon mit einem Vito. Und mein Ziel ist ein Fahrradanhänger. Wohlbemerkt würde ich ein paar Dinge bei einem Freund auf den Dachboden stellen. Sachen, die nicht nachzukaufen sind, wie meine Trommeln, andere Instrumente und so manche Kleidung, wie mein Anzug, die auf der Reise nicht dabei sein müssen.

Ende Februar bekomme ich mein Reisedidgeridoo von Walter Strasser (www.didgeridooart.com). Damit kann es dann endlich los gehen. Ich werde noch in Basel den Frühling erwarten, versuchen mit Straßenmusik und Gelegenheitsjobs einen finanziellen Polster (Kissen; für die deutschen Leser) zu erwirtschaften und dann voraussichtlich Anfang April starten. Ich freue mich auf diese Zeit. Eine Zeit, die unvergleichbar ist mit dem bisher Erlebten. Eine Zeit, in der ich in mir suche, was ich nicht genau beschreiben kann, da ich es nie bewusst gefühlt habe, jedoch weiß, dass ich es in meinem Herzen finden kann.

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