Corona




Erschöpft von den letzten Abenteuern suchte ich Zuflucht bei meiner besten Freundin in Köln. Ein paar Tage nachdem ich angekommen war, startete der Lockdown. Alle Konzerte gestrichen, die lukrativen Orte für Straßenmusik gesperrt, die Grenzen dicht. Also entschied ich mich zu bleiben. Dank finanzieller Unterstützung meines Stiefvaters und meiner Mutter musste ich keine Soforthilfe beantragen, die ich sowieso nicht bekommen hätte, weil ich keinen Wohnsitz habe und weil meine Bewerbungen für die Festivalsaison Ende Februar verschickt wurden. Bevor ich also Absagen oder Zusagen bekommen hätte können, wurden alle Großveranstaltungen abgesagt.

So saß ich zwei Monate in der Sonne auf der Terrasse, übte und entspannte mich. Als noch immer kein Ende der Maßnahmen sichtbar wurde, entschied ich mich wieder, eine Anstellung anzunehmen. Ich durchforstete das Kölner Jobangebot, fand nur eine interessante Stelle als Nachmittagsbetreuer in einer offenen Ganztagsschule und bewarb mich. Mitte Juni fing ich an, dort zu arbeiten.

Musik machen hatte ich für dieses Jahr schon abgeschrieben. Dann ging ich mit meiner Freundin zu einem Badesee. Es war Sonntag Vormittag. Uns kam ein Mann mit einem auffälligen Koffer entgegen. Meine Frage bestätigte den Verdacht: es handelte sich um ein Mischpult. Aber; die Party wurde gerade vom Ordnungsamt aufgelöst.

In meinem Kopf formte sich ein Gedanke: ich möchte den Veranstalter dieser Party kennen lernen und beim nächsten Mal mitspielen.

Wir gingen auf die Gruppe Menschen zu, die so aussah, als hätte sie die Nacht durchgefeiert. Ein Mann winkte uns freundlich zu und begrüßte uns mit den Worten: da seid ihr ja endlich. Nur die Party ist leider schon vorbei.

Wir stellten uns einander vor. "Ich bin Dominik" - "Ich auch". Nach fünf Sätzen war klar, er war der Veranstalter. Nach zehn Sätzen war klar: auf der nächsten Party spiele ich mit.

Drei Tage später veranstalteten wir gemeinsam ein spontanes Straßenmusikkonzert in einem Park. Ganz zufällig kamen ca. 100 Leute vorbei und tanzten ab. Dadurch lernte ich wieder wen kennen und zwei Tage später spielte ich auf einer Feuer-Jonglage-Jam. So gings dann weiter und nun habe ich in den letzten acht Wochen zwölf Mal auf Feuer-Jams, privaten Geburtstagspartys und verschiedenen Gatherings gespielt. Ich bin hoch erfreut, endlich wieder Musik zu machen.

Durchschnittlich spiele ich nun zwei mal pro Woche. Das ist um ein Vielfaches mehr, als letztes Jahr. Ich wünsche mir sehr, dass es so weiter geht, denn ich merke, wie meine Musik den Menschen gut tut.

Zusätzlich habe ich nun begonnen, Workshops für psychedelisches Atmen zu geben.

Dieses Wissen mit Menschen zu teilen, ist für mich enorm wichtig, da das Atmen mir selber viele Augen geöffnet hat, mich in vielen Bereichen befreit hat und meine Lebensqualität enorm verbessert hat. Meine bisher intensivsten Erfahrungen sind auf unterschiedliche Atemtechniken zurückzuführen und ich muss sagen, die Intensität hat jegliche Erfahrung mit Drogen und Alkohol weit in den Schatten gestellt. (Nicht, dass ich je illegale Drogen probiert hätte.)

Das Besondere für mich bei dieser Kombination von Musik und Atmung ist, Musik zu kreieren, die aufgrund ihrer Abwesenheit von maschinellen Rhythmen

(maschinelle Rhythmen erschweren Trancezustände

- vgl. Nauwald/Goodman 2015, S.43ff.)

die Grundlage für Tranceerfahrungen bieten kann und diese mit Atemtechniken zu verbinden, die ähnlich wirken wie LSD, MDMA, Marihuana und DMT. So hat ja z.B. Stanislav Grof zuerst mit LSD an psychisch kranken Menschen gearbeitet und als dieses verboten wurde, das holotrope Atmen als Alternative entwickelt.

Das ist für mich der Weg zu einem erfüllten, gesundem Leben mit Trance- oder Rauscherfahrungen, ohne Nebenwirkungen und Entzugserscheinungen. Möge es so weiter gehen und mögen die großen Bühnen bald wieder öffnen. Ich mag euch Tanzen sehen :)

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